Tag 5 von sieben

Die Reihe läuft durch. Wer hier einsteigt, findet den Anfang und die Bibelstellen auf Seite eins.

Lumi, das leuchtende Lämmchen
Tag 5 · Frieden stiften

Zwei Lichter, die sich gestritten hatten

Bibelstelle: Matthäus 5,9  ·  Das Kind heißt hier Nora, ihr Hund Bruno.

Nora lag kaum unter der Decke, da war Bruno schon wach und schaute zum Fenster.

Tipp. Tipp. Tipp.

Sie setzte sich auf, und das ganze Zimmer war in weiches Gold getaucht. Lumi saß auf der Fensterbank.

"Bist du bereit?", flüsterte das Lämmchen.

Sie legte die Stirn ans Glas, und das Fenster wurde warm und golden, und Nora konnte das Gras schon riechen. Sie kletterte hinauf, hielt sich an Lumis weicher Wolle fest und trat hindurch. Bruno kam gleich hinter ihr durch.

Nim wirbelte ihr entgegen, hell vor Freude. "Ich hab gewartet", sagte er. "Seit heute Nachmittag. Also, ich hab nicht gewartet, ich war nur zufällig hier."

"Komm", sagte Lumi. "Am Bach gibt es heute etwas, das nur ein Kind wie du lösen kann."

Am Ufer des silbernen Baches saßen zwei kleine Lichter, mit dem Rücken zueinander. Beide leuchteten ganz blass, fast grau, und zwischen ihnen war es kühl.

"Die zwei waren immer die allerbesten Freunde", flüsterte Lumi. "Aber heute haben sie sich gestritten. Und ein Licht, das böse ist auf ein anderes, kann nicht mehr richtig leuchten."

Nora blieb stehen. Streit mochte sie nicht. Sie mochte ihn so wenig, dass sie im Kindergarten immer weggegangen war, wenn welcher anfing, und zuhause auch. Wenn zwei laut wurden, wurde ihr Bauch eng, und alles in ihr wollte woanders sein.

"Ich glaube, ich kann das nicht", sagte sie leise.

"Ich weiß", sagte Lumi. Sie hatte es schon gewusst, bevor Nora etwas gesagt hatte, an der Art, wie sie stehen geblieben war. "Setz dich trotzdem dazwischen. Mehr musst du erst mal nicht. Und wenn du wieder aufstehen willst, stehst du auf, und keiner sagt etwas."

Also setzte Nora sich zwischen die beiden ins Gras, ganz nah, und ihr Bauch war eng, und sie blieb trotzdem sitzen. Bruno legte sich hinter sie, so dass sie sich an ihn lehnen konnte, und das machte es leichter.

"Was ist denn passiert?", fragte sie schließlich.

"Er hat angefangen!", sagte das eine. "Sie war gemein!", sagte das andere. Und beide wurden noch ein bisschen blasser.

Nora dachte nach. Wer schuld war, wollte sie gar nicht wissen, das machte ja alles nur schlimmer. Also fragte sie etwas anderes. "Vermisst ihr euch denn?"

Die beiden Lichter wurden ganz still. "Ein bisschen", sagte das eine leise. "Eigentlich sehr", sagte das andere.

"Dann ist es doch ganz einfach", sagte Nora, und sie merkte, dass ihr Bauch nicht mehr eng war. "Ihr müsst gar nicht recht haben. Ihr müsst nur wieder Freunde sein. Sag du zuerst etwas Liebes."

"Es tut mir leid", sagte das kleine Licht. Und kaum war es heraus, wurde es schon ein bisschen heller. "Mir auch", sagte das andere schnell. Und dann rückten sie ganz von allein zusammen, bis sie sich berührten, und auf einmal leuchteten beide so hell, dass Nora blinzeln musste und lachte.

Lumi strahlte. "Wer zwei wieder zusammenbringt, der bringt ein Stück vom Ersten Licht in die Welt."

Die beiden Lichter tanzten so fröhlich über den Bach, dass Bruno hinterherlief und Nim vor Freude Purzelbäume schlug und dann behauptete, das sei ein Versehen gewesen.

Lumi blieb am Ufer stehen. Sie blieb immer am Ufer stehen. Als Nora sie fragend anschaute, sagte sie sehr schnell: "Ich mag meine Wolle einfach lieber trocken", und schaute dabei in eine ganz andere Richtung.

Als es Zeit wurde zu gehen, schaute Nora noch einmal hinauf zu dem großen Licht auf dem fernen Hügel. "Lumi, kommen wir da auch mal hin? Ganz nach oben?"

Lumi schaute lange hinauf, bevor sie antwortete, und ihre Stimme war anders als sonst, ein bisschen kleiner. "Ja", sagte sie. "Vielleicht früher, als du denkst." Dann schüttelte sie sich, so wie man sich schüttelt, wenn man wieder da sein will. "Morgen zeige ich dir etwas, das noch nie ein Kind vor dir gesehen hat. Etwas Wunderschönes, ganz tief im Wald von Elim."

Und dann wurde alles warm und golden, und Nora schlief ein, Bruno zusammengerollt an ihren Füßen, und in ihren Ohren war noch das Lachen der zwei Lichter, die wieder Freunde waren.

Der Zuspruch zum EinschlafenDu hattest heute Angst und bist trotzdem sitzen geblieben. Das ist das Mutigste, was es gibt, und das wenigste davon sieht jemand. Und jetzt spür mal, wo bei dir das Warme sitzt. Genau da bleibst du jetzt.

Im Original: "Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen." (Matthäus 5,9)

Bibeltext: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart